Weltfrühchentag

Gestern war Weltfrühchentag und obwohl Jonathan kein Frühchen ist, bin ich dem Thema verbunden und ich vermute jetzt folgt ein sehr persönlicher und zumindest für mich, emotionaler Beitrag.

18.12.2013 – Ich war im Büro, erinnere mich noch genau an diesen Tag und an das wichtige Meeting am Abend. Mittlerweile war es fast 19 Uhr und ich eigentlich hundemüde und bereits im 6. Monat schwanger. Schon während des Meetings merkte ich ein Ziehen im Unterleib und rief nach Verlassen der Firma meine Hebamme an, sie bat mich ins nächste Krankenhaus zu fahren, dort angekommen nahm alles seinen Lauf. Abgesehen von den Schwierigkeiten die Jonathans Vater und ich bereits hatten, verlief bis dahin alles gut und ich hatte in der Schwangerschaft zwar das ein oder andere Wehwehchen, aber das gehört ja dazu.

Ich lag also mit Wehen im Kreissaal und uns trennten eigentlich noch 15 Wochen bis zum errechnet Geburtstermin im April nächsten Jahres. Ich rief Jonathans Vater an und er machte sich auf den Weg in die Klinik, am selben Abend bekam ich noch die Lungenreifespritze für das Baby, das muss nach genau 24h wiederholt werden und bei den Worten des Arztes: “Sie müssen jetzt mindestes bis morgen Abend durchhalten.” wurde mir ganz schlecht. Aber ich hielt durch und das sogar noch länger als gedacht. Es folgten viele Nächte in der Klinik, mitten im Winter, die Tagesabläufe waren immer gleich: Frühstück, Lesen, Tropf, CTG, Mittagessen, Lesen, Tropf, CTG Abendbrot und zwischendurch etwas TV, das alles 24h im Liegen und immer wieder Wehen, diese waren mein größter Feind. Zum Durchdrehen! Ich hatte Gott sei Dank immer liebe Zimmernachbarinnen in ähnlichen Situationen. Ich führte Strichliste, “Jeder Tag zählt” sagten sie. Weihnachten stand vor der Tür, immerhin hatten wir einen Tannenbaum auf Station, direkt neben meinem Zimmer und sie haben es uns versucht so nett wie möglich zu machen. Wir saßen ein bisschen im selben Boot, jeder wäre lieber zuhause bei seinen Lieben an diesem Tag, der Unterschied war nur, dass ihre Schicht bald vorbei war, meine nicht. Ich musste noch, ein bisschen liegen, ein bisschen Gedanken machen, ein bisschen fröhliche Kinder im TV beim Backen zusehen und dabei nicht zu wissen ob meins das auch mal so unbeschwert tun wird. So vergingen Wochen, ich lag und lag und lag, mal in der Klinik, mal Zuhause. Gesundheitlich ging es immer wieder bergab, aber wir haben durchgehalten und so zogen die Wochen an uns vorbei, Silvester, Geburtstage, ein Umzug ins grünere Hamburg mit Kinderzimmer… Ich konnte meine Schwangerschaft leider nicht genießen, eigentlich wünschte ich mir nur, dass sie schnell vorbei ist und ich mein gesundes Kind im Arm halte, denn auch das war nach all den Umständen nicht mehr garantiert.

19.03.2017 Es war mittags, mir ging es gesundheitlich sehr schlecht, Jonathans Vater kam schnell von der Arbeit heim und wir fuhren direkt in die Klinik, wir kannten uns dort ja mittlerweile sehr gut aus und es war (bedauerlicherweise) ein vertrauter Ort für mich geworden. Wir verbrachten die Nacht in der ZNA, dort war es sehr wuselig, ständig kamen neue Notfälle rein und ich bekam kein Auge zu, ständig die Frage was nicht stimmt, wir bekamen Sätze um die Ohren wie “Mutter vor Kind.” Das wollte ich so gar nicht, er war doch dran, nicht ich. Am nächsten Morgen stand der Arzt an meinem Bett und verkündete mir, dass wir Jonathan holen müssten, ich wusste nicht ob ich lachen oder weinen sollte, aber eigentlich überwog die Erleichterung und wir warteten nur noch ab bis die OP losgehen konnte.

21.03.2017 Da war er also, gesund und munter. IMG_7145Mit schwarzer Wuschelmähne, lautem Organ und sah aus wie einkleiner Monchichi. Ich möchte nicht sagen, dass die Zeit davor vergessen war als man ihn mir in den Arm legte, aber ich war zumindest entschädigt und freute mich auf die Zeit die kommen wird. Dass danach nicht weniger schwere Zeiten kommen würde, ahnte ich bereits, verdrängte es aber. Und da sind wir nun, fast 4 Jahre später, glücklich und gesund. Nicht dass alles perfekt wäre und es nicht Tage gibt die super anstrengend sind und ich mich ähnlich wie Jonathan heulend auf den Boden werfen möchte, aber tauschen möchte ich trotzdem nicht.

Dass man sich danach wieder berappelt (auch wenn es lange gedauert hat) und so zufrieden ist, ist nicht selbstverständlich, das habe ich gelernt. Ebenso wie das Neuanfänge immer möglich sind. Meine Fotos die ich mache und veröffentliche sind oft hell, freundlich, zeigen schöne Dinge und provozieren nicht. Trotzdem kommt immer mal wieder das Thema auf “mehr Realität auf Instagram”, “heile Welt”, etc. Abgesehen davon, dass es jedem selbstüberlassen ist und man ohnehin andere mehr tollerieren und respektieren sollte; Warum sollte man, wenn man sich so lange mit unschönen Dingen aufhalten musste, da weitermachen, statt sich die schönen Seiten anzusehen und zu widmen?! Eben..

bis bald,

Claudia

Grossstadtheldin und mini

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.