Mutterseelenalleinerziehend

„Ich bin ja quasi auch alleinerziehend.“ „Nein bist du nicht!“ Das hätte ich gerne meiner Nachbarin gesagt und dazu hätte ich sie am liebsten einmal kräftig geschüttelt. NochMutterseelenalleinerziehend nicht ganz angekommen, zwischen Umzugskisten, auf Suche nach einem neuen Kitaplatz und Abschlussprüfung, denn Jonathan und ich steckten mitten drin im Neuanfang, trafen wir uns und unterhielten uns kurz. Ihre Sympathien hatte sie binnen 10 Sekunden verspielt. „Basti kommt auch immer erst um 20:00 Uhr nach Hause, da ist der Tag ja auch schon gelaufen…“ Sätze wie diese fielen und meine Sympathien damit ebenfalls immer weiter. Aber Basti kommt! Wenn auch spät! Und er kommt ja nicht erst um 20:00 Uhr, weil er so lange im Freizeitpark hängt, sondern weil er euch finanziell unterstützt. Er es möglich macht, dass du dich unbeschwert um das Kind kümmern kannst und keine Angst um eure Existenz haben musst. Und Basti fragt ab und zu per sms über den Tag wie es dir und dem Kleinen geht, Basti fängt deine emotionalen Tiefpunkte ab, wenn du ihn aufgelöst anrufst und ins Telefon weinst, weil du gerade überfordert und übermüdet bist. Basti hilft dir auch Entscheidungen zu treffen, welche Kita für euch am besten ist, gegen was ihr impfen wollt, auch wenn er das nur tut indem er hinter seiner Zeitung nickt. Und Basti freut sich mit dir zusammen über euer Baby und deren Entwicklung. Über die ersten Zähne, das erste Lachen und die ersten Schritte, vielleicht das ein oder andere Mal nur über ein Video, welches du ihm senden musst, weil er gerade arbeitet, aber er freut sich.

Ich beendete das Gespräch relativ schnell mit einem „Oh schon so spät, ich muss noch dringend was erledigen.“ Ich ärgerte mich. Es war weder das erste noch das letzte Mal, dass ich diese Sätze gehört habe. Fragte mich immer wieder wie lange ich mich noch über sowas ärgern möchte und ärgerte mich, dass ich mich ärgerte. Sie konnte ja nichts alleinerziehenddafür, wie sollte sie wissen wie es ist, wenn sie selbst nicht in der Situation ist, zum Glück nicht in der Situation ist. Wir trafen uns immer wieder zufällig und ich gab ihr eine Chance, wir freundeten uns an und verstanden uns, die Kinder auch. Es war mein Problem und nicht ihrs. Das erste Jahr war gerade um, es war das härteste und ich einfach kaputt und erschöpft. „Es wird besser“ sagten sie. „Jaja … so richtig glücklich sein kann man doch alleine mit Kind gar nicht.“ Das waren meine Gedanken. Immer. Doch zum Glück wurde ich eines Besseren belehrt. Hier angekommen wurde alles besser und ich zufriedener, Jonathan immer größer, gesundheitlich ging es bergauf, das Ende des Studiums rückte näher und es folgte der Abschluss und ein guter Job. Alles lief, man entwickelt Kräfte von denen man gar nicht wusste, dass man sie besitzt. Nicht das andere Mamis und Papis diese Kräfte nicht auch hätten, aber vielleicht brauchen sie sie nicht so oft,  Gott sei Dank! Mittlerweile kann ich sehr gut mit den oben genannten Sätzen umgehen, es dauert wohl ein bisschen um in die Situation reinzuwachsen und man kommt an den Punkt wo auch andere stehen: Alles ist gut so wie es und man fühlt sich angekommen und möchte die Zeit anhalten damit alles bleibt wie es gerade ist. Auch die schlechteren, dunkleren Tage nicht mehr missen möchte, weil sie einem zu dem gemacht haben wer man heute ist. Oft wird mir gesagt ich sehe immer so zufrieden und glücklich aus, das ist nach all dem das wohl größte Kompliment für mich.

 

Bis bald,

Claudia Laßmann

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